Baumwolle

Dachtest Du auch immer, dass Baumwolle eine Stoffart ist? Das stimmt aber nur bedingt, denn unter Baumwolle versteht man vielmehr einen Rohstoff, aus dem Stoffarten hergestellt werden. Baumwolle ist also in vielen Stoffen enthalten, die Du im Laden kaufen kannst.

Geschichtliches zur Baumwolle

Textilien auf Baumwolle werden von Menschen schon seit mehreren Tausend Jahren getragen. Um 1700 wurde jedoch erst damit begonnen, sie systematisch in Nordamerika anzupflanzen. Der Preußenkönig Friedrich verbot im Jahr 1721 das Tragen von Baumwolle, um damit der steigenden Einfuhr entgegen zu wirken. Doch durch die Erfindung der Spinnmaschine 1764, der mechanischen Webmaschine 1785 und der Entkörnungsmaschine 1792 stieg die Baumwollproduktion steil an. Mit einem Anteil von rund 80 % am Welttextilmarkt beherrschte ihn Baumwolle um 1900.

Produktionsmengen

 

Baumwolle - Maschinelle Ernte

An der Weltfaserproduktion hielt Baumwolle 1960 einen Anteil von gut 70 %, dieser sank bis 2012 auf ca. 30 %. Durch die stetig wachsende Bevölkerung steigt auch der Bedarf an Fasern. Nur durch die Erhöhung der Chemiefaserproduktion kann dieser Bedarf ausgeglichen werden.
Stell Dir vor, 2012 wurden weltweit insgesamt 25,95 Millionen Tonnen Baumwolle produziert, davon sind aber nur rund 1,1 % Biobaumwolle.

So entsteht die Baumwollfaser

 

Baumwolle - Familie der Malvengewächse

Wusstest Du, dass Baumwolle zu der Familie der Malvengewächse zählt? Damit gehört sie zu der gleichen Pflanzenfamilie wie auch der Hibiskus.
Baumwolle allerdings blüht in der Regel weiß und die Pflanze kann eine Höhe von 25 cm bis 2 m erreichen. Auf den meisten Baumwollfarmen wird sie vor allem als einjährige Strauchpflanze gepflanzt, trotzdem könnten die Pflanzen bis zu 15 Jahre alt werden.

Nach der Aussaat benötigen die Pflanzen viel Feuchtigkeit und Wärme, um dann innerhalb von 175 bis 225 Tagen zu reifen. Ist diese Zeit verstrichen, blühen die Pflanzen mit einer in der Regel weißen Blüte. In dieser Blüte reift die Fruchtkapsel heran. Sobald die Blüte verblüht und die Fruchtkapsel ausgereift ist, platzt die Kapsel auf und bringt die Baumwollfasern hervor. Allein eine Baumwollkapsel kann bis zu 30 Samenkörner enthalten, die jeder für sich bis zu 7000 Samenhaare tragen.

Die aufgesprungene Baumwollkapsel ist wohl das bekannteste Bild der Baumwolle weltweit. Häufig werden diese Teile der Pflanze auch als Dekoration in Wohnungen verwendet. In einer hohen Vase auf dem Boden ergeben sie ein sehr schönes Bild.

Baumwolle in einer Vase

Die Ernte der Baumwolle

Die wohl heute umstrittenste Zeit der Baumwollernte, mit ihrer vermutlich größten Ausdehnung, fand im 19. Jahrhundert statt. Im Black Belt, einer Region vom North Carolina bis Louisiana in den Vereinigten Staaten, erfolgte die Baumwollernte durch Sklaverei. Das Pflücken erfolgt zu dieser Zeit ausschließlich mit der Hand. Unerfahrene Pflücker verletzten sich dabei sehr leicht an den scharfkantigen Samenkapseln.

Heute sind die Anbaumethoden je nach Region unterschiedlich weit entwickelt. Während in den USA, Australien, Brasilien, Usbekistan und Israel die Bearbeitung durch große Maschinen erfolgt, wird in ärmeren Ländern immer noch mit Ochsen oder Büffelgespannen und von Hand gearbeitet.

Die Ernte mit der Hand erstreckt sich über mehrere Wochen, sie hat jedoch gegenüber der Maschinenernte eine höhere Qualität. Während die Maschine alle Pflanzenteile, auch die unreifen und toten Fasern erntet, werden diese bei der Handernte an der Pflanze belassen. Doch die Handernte ist eine sehr harte und anstrengende Arbeit und wird vermutlich überall zu gering bezahlt.

Baumwolle auf dem FeldAls kleine Größenordnung, ergeben rund 100 kg Baumwollsaat 35 kg Faser die zu Stoffen verarbeitet werden können.

Spinnen der Baumwolle

Nach der Ernte, der anschließenden Trocknung und Entkörnung, werden die Baumwollfasern nach dem Dreizylinderspinnverfahren oder nach dem Rotorspinnverfahren zu Spinnfasergarnen verarbeitet.

Typische Baumwollstoffe sind dann Batist, Biber, Chintz, Cord, Damast, Denim, Doppelripp, Feinripp, Finette, Frottier, Gabardine, Interlock, Kattun, Cretonne, Molton, Nessel, Oxford, Popeline, Renforcé und Samt.

Erkennen der Qualität

Das Erzeugerland ist nur bedingt ein Qualitätsmerkmal. Während in den USA rund 20 verschiedene Sorten Baumwolle angebaut werden, werden gleiche Sorten mit gleich guter Qualität ebenfalls in Peru und Israel angebaut.
Am qualitativ hochwertigsten gelten Langstapel Baumwollsorten. Also Sorten, deren Faserlänge mehr als 32 mm beträgt. Hierzu zählen bspw. die langstapelige Giza-Baumwolle aus Ägypten und die Pima-Baumwolle, die auch in den USA, Peru und Israel angebaut wird. Diese Sorten machen aber nur 5 – 10 % der Welternte aus. Der größte Teil der Ernte wird durch Upland Baumwollsorten abgedeckt, mit einer Faserlänge von 25 – 30 mm und einer weißen bis leicht gelblich Färbung.

Eigenschaft bei Verarbeitung in der Bekleidung

Baumwolle kann bis zu 65 % ihres eigenen Gewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne zu tropfen. Das erklärt, warum sie viel Zeit benötigt um zu trocknen.
Wegen ihrer Feinheit und Weichheit ist sie sehr hautfreundlich. Da Baumwolle aber sehr unelastisch ist, knittert sie sehr leicht. Diese Eigenschaft wird heute aber weitestgehen mit der der Zugabe von bspw. Kunstharzen umgangen, um Baumwolle effektiver in der Bekleidung einsetzen zu können.

Pflegehinweise

Bei Baumwolle selbst kann man nicht genau die Pflegeeigenschaften bestimmen. Diese sind immer stark abhängig davon, wie die Baumwolle weiterverarbeitet worden ist.
Daher ist es immer nötig, die Pflegesymbole zum jeweiligen Stoff oder Kleidungsstück zu beachten.

Internationale Kennzeichnung

 

Baumwolle

Das Baumwollkennzeichen ist international geschützt. Es dient der Kennzeichnung von Textilien aus reiner Baumwolle mit einer Toleranz von 5 %. Die Lizenz wird von der Bremer Baumwollbörse vergeben.

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