Petticoatkleid nähen in 24 Stunden

Am 06.07.2013 haben Bekannte von mir geheiratet, an dieser Stelle noch einmal herzlichen Glückwunsch, auf dass ihr zusammen alt werdet!
Anlässlich dieser Hochzeit musste natürlich ein Kleid her! Dass ich bei dem Versuch, eine Woche vorher ein Kleid zu bestellen, scheitern würde, hätte ich mir vorher denken können. Aber ich habe nichts unversucht gelassen und mich bei Amazon („Die liefern am schnellsten!“ so mein Freund.) durch die „Rockabilly“-Kleider-Abteilung geklickt. Dort sind tatsächlich viele schöne Kleider zu finden. Einige davon werden mir mit Sicherheit noch als Inspiration dienen.

Am Dienstag kamen drei Kleider in die enge Wahl, zur Sicherheit habe ich alle in zwei unterschiedlichen Größen bestellt. Mein Ziel war schließlich, ein passendes Kleid am Samstag zur Hochzeit zu tragen. Da es nicht irgendein Kleid, sondern eines im 50’s-Style sein sollte, hatten die Bekleidungsläden meines Wohnortes nicht wirklich etwas im Angebot.
Ob es Zufall oder Fügung war, kann ich nicht genau sagen. Als ich die Bestellung versendet hatte, sah ich, dass die Lieferung 10-15 Tage dauern würde. Was mich, als ich den Händlerstandort betrachtete, auch nicht wunderte. England. Nicht gerade um die Ecke.
Die für mich einzige Lösung schien nun, selbst ein Kleid zu nähen. Was nicht das Optimalste ist, wenn man so etwas noch nie gemacht hat. Bis auf Nähunterricht in der Schule, einer Tasche vor 15 Jahren und einer Gardine vor drei Jahren hatte ich nur das Portemonai (LINK) und die Handytasche (LINK) genäht.
Also bin ich am Freitag vor der Hochzeit in den größten Stoffladen meines Wohnortes gegangen und habe ich mir mit Hilfe einer netten Verkäuferin 4 m Stoff (weiß mit roten Punkten), 5 m Schrägband, 2m Seidenband und einen Reißverschluss ausgesucht.
Mein eigentlicher Plan beinhaltete, außer des Kleides noch einen Petticoat zu nähen, doch ich wurde durch die Uhr und meinen Rücken eines besseren belehrt.
Das Nähen des Kleides, das „nur“ aus einem Oberteil und einem Tellerrock bestehen sollte, stellte ich mir nicht schwer vor.
Bei Burda habe ich mir ein Schnittmuster für dieses Oberteil gekauft, welches nach meiner Auffassung in den 50’s einzuordnen ist, und ein Schnittmuster für einen Tellerrock wollte ich selbst erstellen. Nach vielen Recherchen im Internet hatte ich herausgefunden, wie dies in sehr wenigen Schritten möglich war.
Nach dem Download des Schnittmusters ging es an das Ausdrucken, Zusammenkleben und Ausschneiden. Damit ich auch die richtige Größe ausschnitt, habe ich vorher an mir Maß genommen und die Maße mit der Größentabelle von Burda vergleichen. Dem Schwierigkeitsgrad des Musters kann ich nur zustimmen. Es war wirklich nicht schwer, alle Teile mit Nahtzugabe auszuschneiden und anschließend zusammenzunähen.
Da an das Oberteil noch der Tellerrock genäht werden sollte, damit ein Kleid daraus entsteht, habe ich den Reißverschluss und das Versäumen an der Unterkante des Tops einfach übersprungen. Stattdessen habe ich den Stoff für den Tellerrock zugeschnitten.
Ein Tellerrock nähen ist in der Tat recht einfach:
Hüftumfang/Taillenumfang messen, je nachdem wo der Rock nachher sitzen soll
aus dem Umfang einen Radius errechnen (r=U/2π)
die Länge des Rockes ermitteln (bspw. 75 cm)
den Radius und die Rocklänge addieren
mit einem provisorischen Zirkel (ich habe einen Faden und einen Bleistift genommen) habe ich auf den einmal gleichmäßig gefalteten Stoff zwei Halbkreise gezeichnet. Einen nur mit dem Radius des eigenen Körperumfanges (der Kleine) und einen mit der Rocklänge inkl. des Radius des einen Körperumfanges (der Große). Die Zeichnung ist dann so auf dem Stoff, dass die offenen Seiten des Halbkreises am Stoffbruch enden. Der Stoffbruch ist die Seite eines gefalteten Stoffes, die nicht offen ist.
Dann wird alles mit einer Nahtzugabe zugeschnitten.
Wenn es nur ein Rock wird, wird er unten versäumt und oben kann dann ein Gummizug oder ein Bündchen mit Reißverschluss eingenäht werden. Da ich das auch noch nicht gemacht habe, schreibe ich in naher Zukunft sicher auch darüber noch etwas.
Der Reißverschluss, den ich einnähen wollte, sollte über das gesamte Oberteil und einen Teil des Rockes gehen. Dazu habe ich den großen Kreis an einer Stelle aufgeschnitten und dann den Rock an das Oberteil genäht. Das Versäumen des Rockes und der Ärmel geschah mit schwarzem Schrägband und um die Naht zwischen Rock und Oberteil zu verdecken, nähte ich das Seidenband darüber. Als Letztes nähte ich den nahtverdeckten Reißverschluss ein und schloss die Rückseite des Kleides mit einer letzten Naht unterhalb des Reißverschlusses. Eine Öse mit einem Haken, wie sie auch von einem BH bekannt sind, dienten als zusätzlicher „Sicherheitsverschluss“.
Aus dem Rest des Schrägbandes habe ich eine Schleife gebunden und diese am Seidenband festgenäht.
Und so nähte ich mein erstes Kleid an einem Freitag Nachmittag/Abend innerhalb von 8 Stunden und anschließenden Rückenschmerzen.
Auf dem Bild trage ich zusätzlich noch einen schwarzen Bolero.

Petticoatkleid nähen

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